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August

Reisen, Strecken, Gelände, Ausrüstung und Städte, die man laufend entdeckt.

23 Min. · 4.510 Wörter

Reisen

Dank des Laufens habe ich die unterschiedlichsten Orte kennengelernt. Zu den romantischsten gehörten meine Läufe in Lhasa, immerhin auf etwa 3.650 m Höhe. Das war vielleicht anstrengend! In Paris bei genau diesem einen Turm. Am Atlantik in Marokko und im mittelalterlichen Marrakesch. In den Bergen bei Chamonix, durch Stone Town auf Sansibar, durch Buchara und Astana und an den Hängen des Kilimandscharo.

Überall, wo ich hinkomme, versuche ich, einen Lauf mit Nike Run Club aufzuzeichnen.

Weil ich gern morgens laufe, stehe ich früh auf und erkunde laufend die Gegend. Bis zum Frühstück habe ich dann schon etwas gesehen.

Ich habe nicht zuletzt mit dem Laufen angefangen, um intensiver zu reisen. Das war nicht mein wichtigster Beweggrund, aber einer der ersten. Und er ist wichtig geblieben.

Ich muss zugeben: Reisen ist meine Leidenschaft. Wenn ich in einer neuen Stadt ein Hotel auswähle, schaue ich mir die Lage an und überlege, welche Sehenswürdigkeiten ich laufend erreichen kann. Das gehört zur Reiseplanung. Selbst wenn ich das Hotel nicht auswählen kann, prüfe ich, wohin ich zu Fuss komme, was dort interessant sein könnte, und laufe los.

Was ein gewöhnlicher Tourist ohne Laufschuhe zu sehen bekommt, ist ziemlich begrenzt. Man bewegt sich langsam, schleppt allerlei überflüssige Dinge mit und besucht nur wenige Sehenswürdigkeiten. Unterwegs ändert sich die Aussicht so langsam, dass man sich zwischendurch langweilt.

Eigentlich sollte man auf jede Reise mit Übernachtung Laufschuhe, Ausweis und Geld mitnehmen. Den Rest kann man vor Ort kaufen.

Die Ausdauer unserer Vorfahren

Ich beginne mit einer für uns alle erfreulichen Tatsache: Der Mensch gehört zu den ausdauerndsten Lebewesen unseres Planeten. Wir sind ausdauernder als Geparden, Bären, Büffel, Habichte oder Krokodile. Die Voraussetzungen für eine gute Ausdauer haben du und ich also schon mitbekommen.

Unsere jagenden Vorfahren hatten einen entscheidenden Vorteil: Sie konnten ihrer Beute lange folgen. Vor allem, wenn sie ein Tier verwundet hatten und so lange hetzten, bis es erschöpft war. Beharrlichkeit und Ausdauer gehörten zu den ältesten und erfolgreichsten Mitteln bei der Jagd.

Unsere Bewegungen verbrauchen im Vergleich zu denen der Tiere weniger Energie. Schliesslich bewegen wir uns auf zwei Gliedmassen statt auf vier. Dazu kommt unser fortschrittliches Kühlsystem: Wir können schwitzen. Ausserdem haben wir ein vergleichsweise grosses Lungenvolumen. Das macht uns zu hervorragenden Langstreckenläufern. Von Natur aus ist der Mensch also fürs Laufen gerüstet.

Angeboren ist uns allerdings nicht die Ausdauer, sondern nur das Potenzial. Anders als Tiere müssen Menschen trainieren, um hohe Leistungen zu erreichen. Ohne Training verlieren wir diese Fähigkeit, können sie aber zurückgewinnen.

Sehr beeindruckt hat mich der Teil von Yuval Noah Hararis «Eine kurze Geschichte der Menschheit», in dem es um die vorgeschichtliche Entwicklung geht, vor Ackerbau und eigener Nahrungsmittelproduktion. Hararis Begeisterung für diese Zeit ist förmlich zu spüren. Und sie hat mich angesteckt.

Harari zufolge waren vorgeschichtliche Menschen uns in mancher Hinsicht weit voraus und klüger als wir. Sie trugen eine äusserst detaillierte Karte ihres grossen Jagdgebiets im Kopf, mit unzähligen Einzelheiten der Landschaft. Sie kannten enorme Mengen an Pflanzen und Pilzen und wussten sie zu nutzen, verstanden das Verhalten der Tiere und konnten improvisieren. Sie unterschieden zahlreiche Geräusche und Gerüche. Deshalb sei ihr Gehirn grösser gewesen als unseres und ihre Fähigkeit zum abstrakten Denken ausgeprägter. Sie waren tief mit dem Leben eines riesigen Gebiets verbunden und fühlten sich dort zu jeder Jahreszeit zu Hause. Ausgrabungen zufolge ernährten sie sich sehr vielseitig, von zahlreichen Tieren und Pflanzen. Wie viele essbare Pflanzen erkennst du im Wald, wenn du dich auf deinen Biologieunterricht verlässt? Vermutlich nicht viele. Sie konnten das. Ihre Fähigkeiten waren ausgesprochen praktisch.

Die frühen Jäger lebten ziemlich lange. Wer nicht als Kind oder durch einen Jagdunfall starb, konnte ein hohes Alter erreichen, vergleichbar mit dem heutigen. Zugleich waren sie körperlich vielseitig entwickelt: schnell, beweglich, geschickt, ausdauernd und stark. Stell dir diese Gesellschaft kluger, kräftiger Menschen vor. Die natürliche Auslese hatte sie so geformt. Und wir tragen ihre Gene in uns.

So lebten Menschen Hunderttausende von Jahren. Unser Körper wurde also durch die Evolution auf genau dieses Leben ausgerichtet. Alles danach, die Domestizierung von Tieren, der Ackerbau, die industrielle Revolution und die moderne Gesellschaft, geschah sehr schnell. Leider gingen uns dabei einige natürliche Fähigkeiten verloren. Unser Geruchssinn ist im heutigen Leben zum Beispiel nicht mehr so wichtig. Warum und wie das passierte, ist eine andere grosse Frage. Lies Harari. Wir kehren zum Laufen zurück.

Dieses Bild unserer Vorfahren gefällt mir: ein schneller, beweglicher, starker und ausdauernder Mensch. Grossartig, so möchte ich auch sein! Ich gebe zu: Wenn ich laufe, Yoga mache oder Gewichte stemme, denke ich, dass ich mich damit ein wenig so bewege, wie es für unsere Vorfahren selbstverständlich war. Sie wurden oft müde, bewegten sich viel und assen deshalb mit Appetit. Wunderbar, das mache ich auch.

Regelmässiges Lauftraining macht dich ausserdem mit einer viel grösseren Gegend rund um dein Zuhause vertraut. Du entdeckst Pfade, Durchgänge und Geländeformen, die dir vorher nicht aufgefallen sind. Du weisst, wo eine Strasse lange und unmerklich ansteigt, wo nach Regen Pfützen stehen, wo duftende Sträucher blühen oder Äpfel reifen. Im Kopf entsteht eine detailliertere Karte eines grossen Gebiets. Laufen bringt uns also dem natürlichen, ausgeglichenen Zustand eines Menschen näher, der ein erfülltes Leben führt.

Höhenprofil im Training und im Wettkampf

Am angenehmsten läuft es sich auf ebenen Strecken. Wenige Kurven, möglichst weit geschwungen, keine Steigungen oder Gefälle. Man hält ein gleichmässiges Tempo und muss nur auf sich selbst achten. Solche unnatürlichen Strecken gibt es etwa im Stadion.

Wenn du dich aber auf einen grossen Lauf vorbereitest, einen Marathon oder Halbmarathon, erwartet dich sicher ein abwechslungsreicheres Höhenprofil, das du in den Beinen spüren wirst.

Bergauf zu laufen ist wirklich anstrengend. Das Herz arbeitet deutlich intensiver, und die Muskeln werden schlagartig müde. Wer das nicht gezielt trainiert, verliert Tempo und bekommt einen kleinen Anflug von Panik.

Ein Freund trainierte gern am Seeufer zwischen Ouchy und Vidy. Die Höhenunterschiede dort sind entsprechend klein und sanft. Trotz eines guten Trainingsumfangs war er deshalb auf die Steigungen beim Marathon in Colmar nicht vorbereitet und von seinem Ergebnis sehr enttäuscht. Auf einer langen Strecke spürt man jede Bodenwelle. Insgesamt kommen dort ungefähr 210 Höhenmeter zusammen. Für mich viel. Geländeläufer mögen darüber lachen, aber für uns Flachlandläufer ist das eine Herausforderung. Auch andere Stadtläufe können beträchtliche Höhenunterschiede haben.

So verstand ich, dass ich mich nicht auf ein oder zwei Trainingsstrecken mit wenig Höhenunterschied konzentrieren sollte. Im Gegenteil: Man sollte beobachten, wie viele Höhenmeter im Training zusammenkommen, und öfter unterschiedliche Strecken mit unterschiedlichen Profilen wählen. Genau dafür ist Training da: verschiedene Fähigkeiten zu üben.

Um bergauf das Tempo zu halten, muss man kürzere Schritte machen und versuchen, die Schrittfrequenz zu erhöhen, die Füsse also schneller zu bewegen. Andererseits ist die Steigung für alle da, nicht nur für dich. Alle haben dieselben Schwierigkeiten. Das ist deine Chance, ein paar Mitläufer zu überholen, die das nicht geübt haben.

Bergab kann man dafür ordentlich beschleunigen. Hauptsache, man fällt nicht hin. Ich liebe es, bergab für meine Verhältnisse riesige Schritte zu machen. Dann arbeitet die Schwerkraft für mich, und ich darf ein bisschen schummeln. Jeder schnelle Schritt trägt mich weiter als gewöhnlich. Zeit, mit grossen Schritten Tempo zu machen.

Laufschuhe

Oh, ein wunderbares Thema, das ein ganzes Buch verdient. Turnschuhe sind ein bedeutender Teil der Popkultur. Die bequemsten Schuhe, die die Menschheit zu entwickeln versucht. Viele Menschen drücken sich über sie aus. Millionen Modelle für jeden Geschmack.

Doch nur ein Teil davon, eben die Laufschuhe, ist für diesen Sport gedacht. Und selbst hier gibt es eine eigene Mode. Zahlreiche Gruppen von Ingenieuren, Gestaltern und Kinesiologen entwickeln neue Modelle und experimentieren mit Materialien auf der Suche nach dem Ideal. Die Spitzenmodelle verändern sich von Jahr zu Jahr und werden immer besser. Sicher findest du ein spezielles Modell, das genau zu deiner Anatomie und deinem Training passt.

Für Läufer ist die Schuhwahl ein echter Fetisch, dem sie sich mit voller Leidenschaft hingeben. Die richtigen Schuhe können schliesslich Verletzungen verhindern und die Ergebnisse erheblich verbessern.

Bei grossen Meisterschaften und Olympischen Spielen gibt es einen inoffiziellen Wettbewerb: In welchen Schuhen haben Mannschaften und Athleten am häufigsten gewonnen? Ein Medaillenspiegel der Schuhhersteller, mit Platzhirschen und ehrgeizigen Neulingen. Es ist doch spannend zu sehen, in welchen Schuhen die eigenen Lieblingsmannschaften und Athleten antreten. Eine ganze Schuhwelt.

Bei den Marken soll jeder wählen, was ihm gefällt. Für die verschiedenen Einsätze brauche ich mindestens diese Schuhe:

Alltagsschuhe: die grundlegenden Arbeitstiere. Darin absolvierst du die meisten Einheiten, und sie verschleissen am schnellsten. Am besten relativ einfache, zuverlässige Schuhe für Asphalt oder Schotter, die auf unterschiedlichen Oberflächen stabil sind.

Kompakte Schuhe fürs Fitnesscenter und für Reisen. Ich habe ein Paar, dessen Hauptvorteil das geringe Gewicht ist. Es lässt sich leicht im Koffer oder in der Tasche verstauen und mitnehmen. Die Anforderungen sind nicht hoch. Hauptsache gut zu transportieren und griffbereit, selbst wenn man Platz sparen muss. Natürlich kann man auf dem Laufband auch seine normalen Trainingsschuhe tragen. Trotzdem ist ein kompaktes Paar für Reisen und besondere Fälle praktisch.

Warme Winterschuhe. Bei starker Kälte können Schuhe mit einer zusätzlichen isolierenden Schicht angenehm sein, damit die Füsse nicht frieren. Schnell werden sie nicht sein, wahrscheinlich auch nicht leicht. Dafür kann man in der Schneesaison weiterlaufen. Eine zuverlässige profilierte Sohle ist wichtig, um auf eisigem Boden nicht zu rutschen. Mit diesen Schuhen werde ich nicht schneller. Aber ich kann weiter regelmässig trainieren.

Wasserdichte Schuhe für Regen und Geländeläufe. Sie sollten eine wasserabweisende Schicht und kräftige Stollen an der Sohle haben, damit man auf Waldpfaden und schwierigem Naturboden laufen kann.

Die besten Laufschuhe für Wettkämpfe und Testläufe. Sie dürfen teurer sein, dafür sollten sie möglichst leicht und energieeffizient sein.

Dafür kaufen Läufer die inzwischen beliebten Carbonschuhe mit einer federnden Platte. Diese Schuhe behalten ihre besonderen Eigenschaften nur über eine begrenzte Kilometerzahl. Dafür kann man in ihnen seine schnellsten Zeiten laufen.

Als ich mein erstes Paar Carbonschuhe kaufte, warnte mich der Verkäufer beispielsweise: Ihre Lebensdauer liege bei 200 km. Ich testete sie bei einem Lauf über 10 km. Seitdem trage ich sie nur bei den wichtigsten Wettkämpfen und stelle jedes Mal eine persönliche Bestzeit auf.

Ungefähr fünf unterschiedliche Paar Schuhe braucht man also, um sich als gut vorbereiteter Läufer zu fühlen. Alles Weitere hängt davon ab, was dir wichtig ist und wie du aussehen willst.

Die allgemeinen Grössenregeln kennt jeder: Laufschuhe dürfen auf keinen Fall drücken. Am besten sind sie etwas grösser als die normalen Alltagsschuhe, ungefähr eine halbe Grösse. Wählt man falsch, macht man Bekanntschaft mit lädierten Zehennägeln und möglichen Verletzungen.

Ausrüstung 1

Ehrlich gesagt braucht man zum Laufen nur wenige Hilfsmittel. Einfache Schuhe, ein einfaches Trikot, eine einfache Hose, fertig. Das wäre gewissermassen das Existenzminimum. Aber wie sähe das Existenzmaximum aus? Ich fürchte, diese Frage wird nie abschliessend beantwortet. Man kann sich unendlich viele weitere Hilfsmittel ausdenken.

Über Schuhe haben wir schon gesprochen. Aber selbst für die gibt es Zusatzteile: Fersenpolster. Kleine Stücke weichen Gummis, die unter die Einlegesohle kommen und die Ferse sanfter abfedern. Ich legte solche Polster in meine normalen Trainingsschuhe mit weichem React-Schaum. Das war so bequem, dass ich sie eine Zeit lang völlig vergass. Nach dem Waschen der Schuhe setzte ich sie nicht wieder ein. Das nächste Training war deutlich schmerzhafter. An Gutes gewöhnt man sich sehr schnell. Es gibt also die weiche Schuhsohle und zusätzlich noch so ein Polster. Ausserdem gibt es spezielle Abstandhalter zwischen den Zehen, damit sie nicht aneinander scheuern.

Natürlich kann man in normalen Socken laufen. Es gibt aber auch spezielle Laufsocken. Manche mit Kompression, andere mit Polsterzonen gegen Reibung am Fussrücken. Laufsocken leiten Feuchtigkeit besser ab, damit die Füsse nicht aufweichen. Besondere Materialien sollen Blasen verhindern. Es gibt Membransocken, die Feuchtigkeit nach aussen lassen, aber keine von aussen herein. Socken mit Unterstützung für Achillessehne oder Sprunggelenk, mit verstärkter Ferse oder besonderem Zehenbereich. Spezielle Laufsocken sind also durchaus nützlich. Kurze, fast unsichtbare Socken passen zum Sommer oder ins Fitnesscenter. Es gibt aber auch kniehohe Kompressionsstrümpfe und warme, dicke Wintersocken.

Weiter oben kommen Kompressionsstulpen. Eine wunderbare Erfindung nach demselben Prinzip wie Bandagen. Sie umschliessen den Unterschenkel sehr eng und geben zusätzlichen Halt. Weil sie die Muskeln fest umschliessen, unterstützen sie die Durchblutung und den schnelleren Laktatabbau. Das Ergebnis: weniger Müdigkeit, schnellere Erholung, weniger Schwellungen, ein geringeres Krampfaderrisiko und weniger Muskelkrämpfe. Ein Laufwunder also. Hauptsache, die Grösse stimmt. Noch eine Besonderheit: Kauft man solche Stulpen zu Beginn seiner Laufkarriere, merkt man nach einer Weile vielleicht, dass sie zu klein werden. Die Wadenmuskeln wachsen! Man kann die Stulpen unter langen Hosen oder zusammen mit kurzen Hosen tragen.

Einmal hatte ich eine leichte Verletzung am linken Bein und konnte nur mit Kompressionsstulpe weiterlaufen. Also zog ich nur links eine an. Fachleute erklärten mir jedoch, dass das nicht gehe. Die Kompression müsse an beiden Beinen gleich sein, sonst drohe eine andere Verletzung. Ich habe es nicht weiter ausprobiert und trage sie seither nur paarweise.

Anfangs war es mir peinlich, enge Laufhosen anzuziehen. Ich fürchtete, seltsam auszusehen. Dann gewöhnte ich mich daran, und inzwischen sind sie meine liebste Laufkleidung. Das sind eng anliegende Sporthosen. Sehr eng, manche sogar mit Kompression. Dafür sind sie aerodynamisch, dehnbar und nicht nur beim Laufen bequem, sondern auch beim Dehnen. Meist trägt man sie direkt auf der Haut, ohne weitere Hose darüber. Ich habe lange, ideal für Frühling und Herbst, und Dreiviertelhosen bis knapp unter die Knie. Die lassen die Unterschenkel frei und passen zum Sommer oder ins Fitnesscenter.

Enge Laufhosen üben leichten Druck auf die Oberschenkel aus. Dadurch spürt man seine Bewegungen besser. Ausserdem haben sie meist kleine verschliessbare Taschen für Schlüssel, Karte oder andere Kleinigkeiten. Oft sitzt so eine Tasche hinten, genau in der Mitte des unteren Rückens. Im Vergleich zu normaler Kleidung ungewohnt, beim Laufen aber sehr praktisch. Genau dort stört und scheuert sie nicht.

Häufig haben diese Hosen unten am Unterschenkel einen Reissverschluss. Praktisch zum Lüften. Oder man schliesst sie eng über langen Socken. Für kaltes Wetter gibt es warme Laufhosen mit einer weichen, aufgerauten Innenschicht. Sehr angenehm.

Eine kleine Lauftasche am Gürtel ist grossartig. Handy, Schlüssel und Gels passen hinein. Grosse Taschen behindern die Bewegung, deshalb gilt: je kleiner, desto besser. Unerfahrene Läufer halten das Handy in der Hand, weil sich Musik, Trainingsdaten und Pausentaste so leichter bedienen lassen. Aber das Handy in der Hand stört die Armbewegung und kostet zusätzliche Energie. Besser, man gewöhnt sich daran, es in die Gürteltasche zu stecken.

Kurze Laufhosen unterscheiden sich von Boxhosen, Badehosen und anderen kurzen Hosen. So speziell sind sie allerdings nicht. Entscheidend sind flache Nähte, damit nichts scheuert. Ich mag zweilagige Laufhosen mit einer inneren Hose unter dem sichtbaren Aussenteil. Auch Unterwäsche sollte flache Nähte haben, besonders für lange Läufe.

Mein kleiner Trick: In eine Hosentasche oder in die Lauftasche stecke ich immer eine Visitenkarte, falls etwas passiert. Normalerweise laufe ich ohne Ausweis in der Tasche, vermutlich wie die meisten vernünftigen Menschen. Sollte mir aber schlecht werden oder ein Verkehrsunfall passieren, möchte ich, dass Passanten mich identifizieren können und eine Nummer zum Anrufen haben. Läufer sehen sich schliesslich alle so ähnlich!

Ausrüstung 2

In Sportgeschäften gibt es leichte Schlauchtücher, kleine Schals in Röhrenform. Die bekanntesten sind von Buff. Eine riesige Auswahl für jeden Geschmack und jeden denkbaren Anlass: warm, leicht, aus Mikrofaser, kühlend und so weiter. Dazu Serien mit Stadtansichten, berühmten Bergen, Mustern oder einfarbig. Ich möchte einmal den Jakobsweg gehen und habe deshalb ein paar mit der Route nach Santiago de Compostela gekauft. Buffs passen zu jeder Jahreszeit. Sie schützen den Hals vor Kälte und die Atemluft vor Frost, lassen sich bei Regen oder Sonne über den Kopf ziehen. Und natürlich möchte man sie nicht nur beim Laufen tragen.

Es gibt spezielle Laufsonnenbrillen, verschiedene Schirmkappen und für Regen federleichte, atmungsaktive Jacken, die sich gut auf Reisen mitnehmen lassen. Spezielle Laufoberteile, Kapuzenpullover und Sportpullover gibt es ebenfalls.

Über kurzärmlige Laufoberteile schreibe ich noch gesondert. Hier geht es um solche mit langen Ärmeln. Auch die gibt es mit Kompressionseinsätzen. Ihre Hauptaufgabe ist aber, den warm werdenden Körper zu belüften und Schweiss abzuleiten. Mein Lieblingsoberteil mit langen Ärmeln habe ich leider noch nicht gefunden. Persönlich gefallen mir eng anliegende Oberteile aus dem Kampfsport besser. Sie scheuern nicht, und im Frühling und Herbst kann ich darin gut trainieren.

Wer die Berge kennt, weiss: Man friert nicht deshalb weniger, weil man Kälte nicht fürchtet, sondern weil man sich richtig anzieht. Sehr wahr. Manchmal scheint Laufen im Winter unmöglich. Zu kalt. Wer treibt bei so einem Wetter draussen Sport? Aber es gibt besondere Daunenjacken fürs Laufen, mit langen Ärmeln oder als ärmellose Westen. Manche sind so schön geschnitten, dass man allein zum Vorführen hinauslaufen möchte.

Ich persönlich laufe übrigens gern mit einer leichten Sportmütze, die die Ohren ganz bedeckt. Sie hilft mir bei der Temperaturregulierung, hält die Kopfhörer fest, und ich muss mich nicht um die Frisur kümmern. Ich habe mich so daran gewöhnt, dass ich das ganze Jahr mit Mütze laufe, selbst bei Hitze.

Die Finger frieren früher als andere Körperteile. Wenn der Körper auskühlt, «schaltet» er die Versorgung nach und nach zurück, von weniger wichtigen zu wichtigeren Bereichen, und spart bei der Durchblutung. Hände und Füsse, besonders die Finger, betrachtet er dabei als etwas weniger wichtig. Deshalb frieren sie zuerst. Handschuhe sind also nützlich. Im Herbst und Frühling trage ich fingerlose Handschuhe, manchmal solche fürs Crossfit. Im Winter müssen es dann Handschuhe mit geschlossenen Fingern sein.

Je nach Wetter kann und sollte man verschiedene Kleidungsstücke zu Schichten kombinieren. Enge Laufhose und langärmliges Oberteil bilden die erste Lage direkt am Körper. Darüber kurze Hose und kurzärmliges Oberteil, und schon ist man mit der zweiten Schicht für niedrigere Temperaturen gerüstet. Kapuzenpullover oder Daunenweste dazu, fertig ist die dritte Schicht. Die wichtigste Regel: Beim Verlassen des Hauses sollte es noch etwas kühl sein.

Wenn du im Training warm wirst, fühlt es sich dann angenehm an. Packst du dich dagegen zu dick ein, schwitzt du stark und riskierst eine Erkältung.

Bei Laufkleidung bevorzuge ich möglichst leuchtende, geradezu giftige Farben. Das hat wenig mit Stil oder persönlichen Vorlieben zu tun. Entscheidend ist, dass Autofahrer und Velofahrer mich im Dunkeln, draussen in der Natur oder in der Stadt gut sehen. Knallige Neonfarben wie Orange, Leuchtrosa und Limettengrün machen das Training sicherer.

Damit ist die Liste der Sportkleidung noch nicht zu Ende, aber es kommt schon einiges zusammen. Deshalb habe ich zu Hause ein eigenes Regalbrett für meine Sammlung aus Laufoberteilen, engen Laufhosen, Laufsocken und anderem Zeug. Die Sachen von dort landen übrigens am häufigsten in der Wäsche.

Ungewohnte Wege rund ums Haus

Immer dieselben Strecken zu laufen ist nicht besonders spannend. Ja, die Laufbahn ist vom Untergrund her ideal, ohne Höhenunterschiede, und man kann jederzeit aufhören und nach Hause gehen. Aber wer neugierig ist und das Leben liebt, findet das auf Dauer etwas langweilig.

Irgendwann veränderst du deine gewohnte Route und die Distanz ein wenig. Nach und nach entsteht rund um dein Zuhause ein Netz von Wegen, die du dir erlaufen hast. Du läufst weiter, schaust in unbekannte Ecken, entdeckst Höfe, Strassen, kleine Parks, Brücken und Durchgänge. Laufen lässt dich die vertraute Stadt mit ganz neuen Augen sehen.

Bald hatte ich Strecken, bei denen ich ziemlich genau wusste, wie weit ich laufen und wie lange ich unterwegs sein würde. Und wie viele ungewöhnliche Orte ich dabei entdeckte! Versteckte Taubenschläge, ein winziges Loftviertel in der Nähe, eine Ansammlung von Werkstätten, ungewöhnliche Hausfassaden. So lernen wir selbst die vertraute Umgebung noch einmal neu kennen.

Liegt ein Park in deiner Nähe, kennst du vermutlich vor allem seine bequemen, belebten Hauptwege. Wenn du dort läufst, besonders in einem grossen Park, entdeckst du mit der Zeit neue Ausblicke, überraschende Pfade, unbekannte Ein- und Ausgänge sowie Vögel und andere Tiere, die dir vorher nie aufgefallen sind.

Und natürlich neue Blickwinkel, schöne Ansichten bereits bekannter Gebäude oder Landschaften.

Beim Laufen zieht die Umgebung rasch an dir vorbei. Du bekommst einfach mehr Eindrücke als im gewöhnlichen Alltag. Mehr Bäume, Häuser, Tauben und Eichhörnchen, mehr Blumenbeete und Wege. Also auch mehr neue Eindrücke und Entdeckungen.

Je mehr du läufst, desto mehr erlebst du.

Ein Park im Lauf der Jahreszeiten

Eine Zeit lang wohnte ich neben einem Park. Dort fanden meine ersten Läufe statt. Die Strecke begann mit einem langen, sanften Gefälle von ungefähr einem Kilometer, an einer Parkbühne vorbei am Hang entlang. Dann zog sie eine weite Schleife über einen Bach, führte auf einem unbefestigten Weg zwischen Bäumen und an Spielplätzen vorbei, verzweigte sich und ging in einen breiten asphaltierten Weg für Spaziergänger mit Kinderwagen über. Am anderen Ende des Parks endete sie an einem Tor. Dort kehrte ich um, lief ein Stück zurück und bog auf einen schmalen Pfad am See ab, der über ungefähr zehn Hügel steil hinauf und hinunter führte. Ich überquerte den Bach, der den See speiste, kam auf eine ebene Hundewiese und kehrte durch einen Birkenhain zum Ausgangspunkt zurück. Insgesamt etwa 6 km. Deshalb waren die meisten meiner damaligen Läufe ungefähr 6 km lang: eine Runde.

Aus dem Wohnungsfenster sah ich von oben auf den Park und beobachtete seine Veränderungen über das Jahr. Aber vom Boden aus zu erleben, wie er sich mit den Jahreszeiten verwandelte, war noch viel schöner. Seit ich lief, war ich viel öfter mittendrin. Ein völlig anderes Gefühl.

Ich hatte im Sommer angefangen, zur schönsten Zeit, als der Park lebendig und belebt, schattig und trocken war. Dann wurden die Blätter langsam gelb, meine Strecken länger, und ich konnte die gemächlichen Veränderungen in der Natur ausgiebiger verfolgen. Zwischen fallenden Blättern zu laufen und Eichhörnchen und Enten zu beobachten war sehr romantisch. Von Lauf zu Lauf wurde der Park durchsichtiger. Bis ich eines Tages nicht einmal mit dem Training beginnen konnte. Mein sanftes Gefälle war mit einer vollkommen glatten, dünnen Eisschicht überzogen. Die Füsse rutschten auseinander. Nach 20 oder 30 Metern Schlitterpartie beschloss ich, das Schicksal heute nicht herauszufordern, und ging ins Geschäft, um Winterschuhe zu kaufen. So bekam ich meine ersten wasserdichten Nike Lunarglide Flash. Sie griffen auf Eis wie auf Asphalt. Jedenfalls kam es mir damals so vor. Am nächsten Tag überholte ich genüsslich die rutschenden Fussgänger, fast ohne langsamer zu werden.

Schnee bedeckte den Park, es wurde frostig, die Auswahl an Laufwegen schrumpfte. Nicht immer konnte ich meine Runde zu Ende laufen. Dafür war der Winterwald unglaublich schön und sauber. Mit leuchtenden Schuhen über unberührten Schnee unter schneebeladenen Ästen zu laufen war wunderschön. Ich sammelte meine Kilometer und wusste: Ohne meine Laufgewohnheit hätte ich das nicht gesehen.

Und dann natürlich der Frühling. Um Pfützen herumlaufen, vor allen anderen die ersten Blumen entdecken, die ersten Blätter, die erste Hummel oder den ersten Schmetterling. Ich erzählte meinen Kindern von diesen Funden und war für sie der erste Frühlingsbote.

Wir reden oft davon, der Natur näher sein zu wollen. Dann fahren wir auf Asphalt zu schnell mit dem Auto, um den Wechsel der Jahreszeiten zu bemerken, oder gehen nur das kurze Stück zur nächsten Haltestelle, zu wenig für solche Einzelheiten. Läufe durch Parks, am Fluss entlang, durch Grünanlagen und Höfe weit weg von zu Hause öffnen uns die Augen für eine Welt, an der wir sonst vorbeifahren.

Wenn du jeden Tag läufst, bleibt jeder dieser Tage in deiner Erinnerung und im Trainingsarchiv.

Sehenswürdigkeiten

Je mehr du läufst, desto mehr erlebst du. Einer der grossartigen Vorteile des Laufens ist, Sehenswürdigkeiten auf der ganzen Welt aus ungewohnter Perspektive entdecken zu können.

Die meisten Stadtmarathons werden so geplant, dass sich die Stadt von ihrer besten Seite zeigt. 21 oder 42 km reichen, um die Architektur der Innenstadt oder ihrer vorzeigbarsten Viertel kennenzulernen. Wann sieht man sonst so viel auf einmal? Die Sehenswürdigkeiten von London, Berlin, Paris oder Barcelona, alles an einem einzigen Tag. Unvergesslich!

Aber auch abseits eines Marathons kannst du deine eigene einzigartige Besichtigungstour gestalten und seltene, unvergleichliche Eindrücke sammeln. Manche sind ausgesprochen filmisch. Beim Laufen hatte ich oft das Gefühl, mitten in einem Film zu sein, umgeben von unglaublich realistischen Kulissen.

Etwa zwei Jahre vor meinem Laufjahr flog ich nach Tibet, um den Kailash auf einer Kora zu umrunden. Unsere kleine Reisegruppe sollte über Guangzhou in Tibets Hauptstadt Lhasa fliegen und von dort mit dem Bus nach Norden zum Kailash fahren. Aber natürlich ist Lhasa selbst ungeheuer interessant. Eine alte Stadt, über die ich viel gelesen hatte und in der ich unbedingt den Potala-Palast sehen wollte, die Residenz des Dalai Lama. Genau jenen Palast, den man aus «Sieben Jahre in Tibet» mit Brad Pitt kennt.

Lhasa liegt ungefähr 3.650 m über dem Meer. Ein gewöhnlicher Flachlandmensch bekommt dort anfangs schwer Luft. Wer anfällig ist, spürt die Höhenkrankheit schon beim Verlassen des Flugzeugs. Der Kopf dröhnt, nach buchstäblich wenigen Schritten ist man erschöpft und möchte verschnaufen. Zuerst bewegt man sich langsam, wie unter Wasser, und fühlt sich ein wenig betrunken.

Zum Glück kann sich unser Körper recht schnell an seine Umgebung anpassen. Zunächst verdickt sich unter dem Einfluss der dünnen Luft das Blut. Das Herz hat Mühe, es bis in die Kapillaren zu pumpen, und der Körper fühlt sich schwach. Aber allmählich verändert sich die biochemische Zusammensetzung des Blutes, und man gewöhnt sich an die neue Umgebung. Ausserdem sieht man in Lhasa viele Kinder, alte Menschen und Händler, die ihr normales Leben führen. Man versteht: Leben ist hier möglich. Man muss nur ein bisschen Geduld haben, dann wird es schon.

In der ersten Nacht auf dieser Höhe schmerzt der Kopf. Schlafen fällt ungewohnt schwer, die Strassengeräusche klingen fremd, man träumt unruhig und ringt nach Luft. Trotzdem ist es unglaublich aufregend, an einem so geheimnisvollen Ort zu sein.

Morgens gegen 6 zog ich die Laufschuhe an, schaute auf die Karte und machte mich auf den Weg zum Potala-Palast. Die Stadt schlief noch, nur wenige Autos waren unterwegs. Ich lief durch eine alte Strasse und stellte mir vor, wie hier einst Yak-Karawanen entlanggezogen waren. In der Höhe, in der dünnen Luft, wirken alle Farben viel leuchtender. Gelb ist viel gelber als am Meer, Blau unglaublich viel blauer.

Leider musste ich oft anhalten oder gehen. Die Atemnot war heftig. Ich begegnete einem gelangweilten Polizisten und den ersten Arbeitern, die zur Arbeit eilten. Offenbar hören Tibeter gern Musik über grosse Lautsprecher. Sie versammeln sich im Kreis darum, sitzen mit ihnen auf Bänken und nehmen gefühlt alle Sprachnachrichten auf ihren Handys auf.

Ich musste mich nicht durch ein Strassengewirr schlängeln. Über die Hauptstrasse lief ich direkt auf den Potala zu und sah ihn im Licht der aufgehenden Sonne. Ein unglaublicher Palast. Es ist verblüffend, dass in dieser Höhe, in einer so kargen Landschaft, solche Pracht errichtet wurde. Ich stand zwischen eiligen Tibetern vor dem Haupteingang und war einfach glücklich, dort zu sein. Wirklichkeit wie im Kino. Unglaublich.

Auf dem Rückweg sah ich winzige Kindergestalten in gleichen Uniformen vor der Schule zusammenkommen. Eltern brachten sie hin, küssten sie zum Abschied und gaben ihnen Frühstück mit. Das war rührend.

Ein kleiner Lauf von 5 oder 6 km, und noch vor dem Frühstück war ich zurück im Hotel. Ich hatte den Potala in ganz besonderem Licht gesehen, viele Alltagsszenen, Polizisten und Händler, während meine Mitreisenden im gewöhnlichen Hotelzimmer die Zähne putzten. Ich fühlte mich als Entdecker, als Kundschafter unserer kleinen Gruppe. Einfach nur laufen? Ja. Aber so bekommt das Leben einen ganz eigenen Geschmack, den ich nur beim Laufen entdecke.

Später an diesem Tag besichtigten wir den Potala mit einer Führung, gingen hinein und stiegen auf die Mauern. Das war grossartig. Aber ohne den Anblick am Morgen wäre der Eindruck unvollständig geblieben. Und den hatte nur ich!