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Neujahr

Was nach dem Zieleinlauf bleibt und wie man das nächste Ziel findet.

3 Min. · 532 Wörter

Was habe ich vor?

Im kommenden Jahr möchte ich im Januar und Februar etwas ausruhen und den Umfang vorübergehend auf 30 bis 50 km pro Woche senken. Für März und April plane ich bis zu 100 bis 120 Wochenkilometer, um im Mai den Marathon in Genf unter drei Stunden zu laufen. Vielleicht klappt es auch mit dem Marathon in Pjöngjang. Das wäre eine einzigartige Erfahrung.

Im nächsten Sommer möchte ich Kipchoges Trainingsumfang ausprobieren. Nur kurz, um zu erleben, wie echte Athleten trainieren. Das Tempo der Spitzenläufer werde ich nicht schaffen, da bleibe ich ehrlich. Aber ihr Umfang könnte vielleicht machbar sein. Oder auch nicht. Wenn ich es nicht versuche, werde ich es nie erfahren. Helfen wird mir das bestimmt nicht, eher schaden. Trotzdem möchte ich es wagen. Ich bin neugierig.

Ich hoffe, bei einem der Majors starten zu können. Das nötige Qualifikationstempo scheine ich inzwischen zu schaffen. Aber es gibt viele solche Enthusiasten. Ausserdem muss ich bei der Verlosung einen Startplatz bekommen. Am ehesten wird es wohl Berlin. Klappt das nicht, suche ich mir einfach ein paar schöne Marathons in Europa oder Asien aus.

Ich träume von einem Aufenthalt in einem kenianischen Lauftrainingslager in Iten. Ich war schon in Kenia und mache mir keine Illusionen über eine luxuriöse, bequeme Reise. Das Land gefiel mir aber sehr. Und ein Trainingslager kenianischer Spitzenläufer hat eine magische Anziehungskraft.

Ich hoffe, meine Kinder und die Freunde, die noch nicht laufen, dafür begeistern zu können.

Zum Schluss

Ich möchte diesen Text nicht mit zuckersüssen Sätzen darüber beenden, dass alles möglich sei, wenn man nur an sich glaubt. Leider stimmt das nicht. Wenn du dich sehr anstrengst und alles richtig machst, werden deine Ergebnisse besser. Bis sie an eine Grenze stossen, an das Ende deiner Möglichkeiten.

Diese Grenze wird von Geschlecht und Alter beeinflusst, vom Umfeld, vom Glück oder Pech bei der Trainerwahl, von Charakter, Erziehung und vielen Zufällen. Manches lässt sich beeinflussen, manches nicht. Damit muss man sich abfinden. Die eigenen genetischen Voraussetzungen kann man nicht austricksen. Lauflegenden und Spitzensportler haben aussergewöhnliche Gene. Die Natur gab ihnen das Talent, der Zufall führte sie zum Sport. Danach kommen Fleiss und andere veränderbare Faktoren ins Spiel. Aber unsere Ausgangsbedingungen sind nicht gleich.

Na und! Dieses Buch ist nicht für Spitzensportler. Es ist für Menschen, die Abenteuer lieben.

Laufen ist ein wunderbares Lebensabenteuer, das ich jedem wünsche. Dabei entdecken wir die Welt und lernen uns selbst kennen. Das Gefühl, mitten im Leben zu stehen, ist wertvoller als persönliche Hobbyrekorde. Neue Bekanntschaften sind wichtiger als neue Medaillen an der Wand. Und die Begeisterung darüber, ein Ziel erreicht zu haben, ist schon für sich eine Belohnung.

Am Ende des nächsten Laufjahres werde ich wieder ein Video aufnehmen und erzählen, dass ich das ganze Jahr jeden Tag gelaufen bin. Ich werde von neuen Marathons träumen, neuen Übungen und neuen Orten, die ich durchs Laufen entdecken werde. Ich werde in mich hineinhören, neue Bücher und neue Musik hören. Ich werde Läufer bewundern, die schneller sind als ich. Davon gibt es viele. Und die ein wenig aufziehen, die langsamer sind. Davon gibt es auch genug. Das Laufen ist selbst das Ziel. Ich hoffe, vor mir liegen noch viele solcher laufbekloppten Jahre.

E N D E